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Bild: HC Tigers

vor 14 Stunden

Oberliga Teil 4: Tradition, Neustart und Großstadt-Eishockey

Bevor unsere Reise in der Oberliga Süd kommenden Freitag so richtig startet, geht unsere Serie in die letzte Runde. Nach dem Bodensee, dem Allgäu, Oberbayern und Niederbayern fehlen noch vier Gegner. Mit den Höchstadt Alligators, den Selber Wölfen, den Heilbronner Falken und den Stuttgart Rebels warten auf die HC Tigers ein bemerkenswert beständiger Kleinstadtclub, ein eishockeyverrückter Traditionsstandort mit DEL2-Vergangenheit, ein Verein vor einem außergewöhnlichen Neustart und ein ambitioniertes Eishockeyprojekt mitten in einer deutschen Großstadt.

Höchstadt Alligators – klein, hartnäckig und längst etabliert

Höchstadt an der Aisch zählt gerade einmal rund 14.000 Einwohner. Trotzdem gehört der dortige Eishockeyclub mittlerweile fest zum Inventar der Oberliga Süd. Der Höchstadter EC wurde 1993 gegründet und entwickelte sich erstaunlich schnell zu einer festen Größe im bayerischen Eishockey. Drei Bayerische Meisterschaften – der Letzte 2018 –, der Gewinn des Bayernkrug-Pokals 1997 sowie drei Aufstiege in die Oberliga stehen mittlerweile in der Vereinschronik.

Der erste Sprung in die dritthöchste Spielklasse gelang 2002. Drei Jahre später musste der Verein die damalige Oberliga aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. 2016 kehrten die Alligators zurück, stiegen ein Jahr später sportlich wieder ab – und kämpften sich 2018 als Bayerischer Meister sofort wieder nach oben. Seitdem sind sie ununterbrochen Teil der Oberliga Süd.

Vom Klassenerhalt in die Playoffs

Was zunächst vor allem ein Kampf um die Etablierung in der dritten Liga war, entwickelte sich sportlich immer weiter. 2021 erreichte Höchstadt erstmals die Oberliga-Playoffs, danach gelang der Sprung in die Endrunde gleich drei weitere Male. 2025/26 belegten die Alligators Rang acht und qualifizierten sich damit für die Pre-Playoffs. Dort setzte sich Höchstadt in drei Spielen gegen den EV Füssen durch, ehe im Achtelfinale gegen die Hannover Scorpions Schluss war. Damit hat sich der Verein längst vom Außenseiter zu einem Standort entwickelt, bei dem ein Playoff-Platz keine Sensation mehr wäre.

Kleine Stadt, große Eishockeybasis

Besonders beeindruckend sind die Zahlen hinter dem Club. Der HEC zählt rund 650 Mitglieder, mehr als 200 Kinder und Jugendliche spielen im Nachwuchs. Hinzu kommen drei organisierte Fanclubs mit zusammen etwa 260 Mitgliedern. Für eine Stadt dieser Größe ist das eine bemerkenswerte Verankerung.

Das Eisstadion Höchstadt

Die Alligators spielen im Eisstadion Höchstadt. Die 1978 errichtete Halle wurde 2025 modernisiert und bietet 2.000 Zuschauern, darunter 200 Sitzplätze, Platz. Das bedeutet: keine riesige Multifunktionsarena, sondern genau jene kompakte Atmosphäre, die man mit klassischem Oberliga-Eishockey verbindet. Kurze Wege, Zuschauer dicht am Eis und eine Halle, die bei entsprechendem Besuch schnell laut werden kann.

Schon gewusst?

Beim Blick auf die ewigen Vereinsstatistiken tauchen einige beeindruckende Zahlen auf. Rekordtorschütze Zbynek Kukacka erzielte für Höchstadt 254 Treffer, Thomas Schmidhuber sammelte unglaubliche 1.035 Strafminuten. Vielleicht sollte man beim ersten Besuch also besser nicht behaupten, Höchstadt sei ein ruhiger Standort.

Wenn ihr schon dort seid …

Höchstadt ist eine klassische fränkische Kleinstadt mit mehr als 1.000 Jahren Geschichte. Marktplatz, Stadtturm, Schloss und die historische Steinbrücke über die Aisch bieten sich für einen kurzen Rundgang an. Besonders bekannt ist die Gegend für ihre jahrhundertealte Karpfenzucht. Wer kulinarisch weniger experimentierfreudig ist, dürfte in Franken aber auch mit Schäufele und Bier relativ problemlos durch den Tag kommen.

Unser Tipp: Früh anreisen, fränkisch essen und anschließend in eine jener Hallen gehen, die ziemlich genau zeigen, was den besonderen Charme der Oberliga ausmacht.


Selber Wölfe – große Leidenschaft in einer kleinen Stadt

Selb dürfte für unsere Fans mittlerweile der bekannteste der vier Gegner sein. Schließlich kommen die Wölfe am 18. September zum ersten Oberliga-Pflichtspiel der HC Tigers überhaupt nach Dornbirn. Dass dabei ausgerechnet Selb wartet, passt ziemlich gut. Denn kaum ein anderer Standort zeigt eindrucksvoller, welche Bedeutung Eishockey in einer vergleichsweise kleinen Stadt entwickeln kann.

Eishockey seit den 1950er-Jahren

Die Geschichte des Selber Eishockeys reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Über verschiedene Vorgängervereine wurde dort jahrzehntelang höherklassig gespielt. Nach finanziellen Problemen des Vorgängerclubs folgte 2004 ein Neustart. Die Wölfe mussten ganz unten beginnen und arbeiteten sich Schritt für Schritt wieder nach oben. 2010 war die Rückkehr in die Oberliga geschafft. Und dort entwickelte sich Selb zu einem der großen Namen der Liga.

2021: Deutscher Meister und DEL2-Aufsteiger

Der größte Erfolg der jüngeren Geschichte folgte 2021. Selb gewann zunächst den Titel in der Oberliga Süd und kämpfte sich anschließend bis ins entscheidende Finale um den Aufstieg. Mit einem 4:2-Auswärtssieg im fünften Spiel gegen die Hannover Scorpions machten die Wölfe die deutsche Oberliga-Meisterschaft und gleichzeitig den Aufstieg in die DEL2 perfekt. Vier Spielzeiten hielt sich der Club anschließend in der zweithöchsten deutschen Liga.

2025 führte der Weg wieder zurück in die Oberliga Süd – und dort gehörten die Wölfe sofort wieder zur Spitzengruppe. Vergangene Saison beendete Selb die Hauptrunde auf Rang vier, gewann anschließend das Achtelfinale souverän und scheiterte erst im Viertelfinale.

Die NETZSCH-Arena – gebaut auch durch Ehrenamt

Fast genauso interessant wie die Mannschaft ist die Geschichte ihrer Heimstätte. Die NETZSCH-Arena wurde 1977 eröffnet. Die Arena fasst heute offiziell rund 3.600 Zuschauer; auf der Detailseite des Vereins werden für die verschiedenen Platzbereiche insgesamt knapp 4.000 Plätze ausgewiesen. Bei wichtigen Spielen wird daraus regelmäßig ein echter Hexenkessel. Gemessen an der Einwohnerzahl Selbs ist die Anhängerschaft ohnehin außergewöhnlich groß. Genau deshalb dürfen wir davon ausgehen, dass die Wölfe auch bei ihren Besuchen in Dornbirn nicht alleine kommen werden.

Schon gewusst?

Beim Bau der Eishalle Ende der 1970er-Jahre war freiwillige Vereinsarbeit nicht nur nette Unterstützung, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. 18.000 Stunden wurden von Mitgliedern selbst geleistet. Das macht Selb vielleicht auch deshalb zu einem Standort, mit dem wir uns durchaus identifizieren können: Ohne Ehrenamt würde vieles schlicht nicht funktionieren.

Wenn ihr schon dort seid …

Selb ist als Porzellan- und Designstadt bekannt. Namen wie Rosenthal und Hutschenreuther sind eng mit dem Ort verbunden. Das Porzellanikon widmet sich ausführlich dieser Geschichte, auch in der Innenstadt begegnet einem das Thema immer wieder. Für Schnäppchenjäger gibt es zudem verschiedene Werksverkäufe und Outlets.

Unser Tipp: Selb dürfte kein klassisches touristisches Wochenendziel vieler Vorarlberger sein – und gerade deshalb lohnt es sich, etwas mehr Zeit einzuplanen. Porzellan, fränkische Küche und anschließend eine volle NETZSCH-Arena ergeben eine ziemlich einzigartige Mischung.


Heilbronner Falken – ein Traditionsname startet noch einmal neu

Bei keinem unserer neuen Gegner ist die Geschichte vor der Saison 2026/27 komplizierter – und gleichzeitig spannender – als in Heilbronn. Denn der Name Heilbronner Falken bleibt bestehen. Die Organisation dahinter ist aber eine neue.

Jahrzehnte im höherklassigen Eishockey

Die Wurzeln des organisierten Heilbronner Eishockeys reichen zurück bis 1980. 1986 entstand daraus der Heilbronner EC. Sportlich konnte sich der Standort schnell etablieren. Aufstiege in die zweithöchste deutsche Spielklasse gelangen 1987, 1998 und 2007. Hinzu kamen unter anderem zwei süddeutsche Meisterschaften, sowie mehrere Oberliga-Titel. 2007 wurde Heilbronn sogar Deutscher Oberliga-Meister. Über viele Jahre gehörten die Falken anschließend zur 2. Bundesliga beziehungsweise DEL2. Nach dem Abstieg aus der DEL2 2023 begann ein neues Oberliga-Kapitel – zunächst äußerst erfolgreich.

2025 Meister der Oberliga Süd

In der Saison 2024/25 dominierten die Falken die Hauptrunde und wurden Meister der Oberliga Süd. Anschließend erreichte Heilbronn das Playoff-Halbfinale, in dem erst die Hannover Scorpions den Weg ins Finale versperrten. Auch sportlich war also alles vorhanden, um an frühere Zeiten anzuknüpfen. Abseits des Eises sah die Situation anders aus. Bereits vor der Saison 2025/26 war die Zulassung erst nach einem Verfahren vor dem DEB-Spielgericht und unter Auflagen erfolgt. Ende Januar 2026 musste die bisherige Heilbronner Falken GmbH & Co. KG schließlich Insolvenzantrag stellen. Damit schien die Zukunft des professionellen Eishockeys in Heilbronn zunächst völlig offen.

Ein außergewöhnlicher Neustart

Der Heilbronner Eishockeyclub Eisbären e.V., der mit seiner eigenen Mannschaft in der Regionalliga Süd-West spielte, reagierte schnell. Noch im Januar meldete der Stammverein für den Fall der sportlichen Qualifikation eine Mannschaft für die Oberliga an. Mit dem Einzug ins Regionalliga-Halbfinale erfüllten die Eisbären die sportlichen Voraussetzungen für den Aufstieg.  Parallel wurde eine neue Struktur aufgebaut. Im März konnten wesentliche immaterielle Vermögenswerte der bisherigen Falken-Gesellschaft – darunter Name und Marke der Heilbronner Falken – übernommen werden. Eine neue GmbH übernimmt nun den Profispielbetrieb.  Der DEB erteilte schließlich die Zulassung.

Eishalle mitten in der Stadt

Gespielt wird weiterhin im Heilbronner Eisstadion am Europaplatz. Die 2002 eröffnete Halle wurde auf den Fundamenten der früheren Eishalle errichtet. Ursprünglich für 4.000 Besucher konzipiert, liegt die aktuell zugelassene Kapazität aufgrund von Sicherheitsvorgaben bei 3.496 Zuschauern, davon 796 Sitz- und 2.700 Stehplätze.

Schon gewusst?

Heilbronn ist für die Oberliga 2026/27 streng genommen gleichzeitig alter Bekannter und Neuling. Der Standort spielte bereits in der vergangenen Saison in der Oberliga. Durch die Insolvenz der bisherigen Profigesellschaft und den sportlich erarbeiteten Aufstieg der HEC Eisbären tritt nun aber eine neu aufgestellte Organisation unter dem übernommenen Traditionsnamen Falken an. Die bisherige Amateurmannschaft der HEC Eisbären bleibt parallel im Regionalliga-Spielbetrieb bestehen.

Wenn ihr schon dort seid …

Heilbronn liegt mitten in einer der bedeutendsten Weinregionen Württembergs. Vom Wartberg hat man einen schönen Blick über die Stadt und die umliegenden Weinberge. Mitten in der Innenstadt steht die Kilianskirche mit ihrem markanten Renaissance-Turm. Besonders für Familien interessant ist außerdem die experimenta, nach Angaben der Stadt Deutschlands größtes Science Center. Auf rund 25.000 Quadratmetern warten mehr als 270 interaktive Stationen.

Unser Tipp: Heilbronn lässt sich hervorragend mit einem Wochenende verbinden: erst Innenstadt und experimenta oder Weinberge, anschließend Eishockey. Und ganz nebenbei erlebt man einen Club, der gerade versucht, eines der bemerkenswertesten Comebacks dieser Oberliga-Saison zu schreiben.


Stuttgart Rebels – Oberliga mitten in der Großstadt

Zum Abschluss unserer Reise wird der Kontrast noch einmal maximal. Mehr als 600.000 Menschen leben in Stuttgart. Fußball-Bundesliga, Handball, Basketball und zahlreiche weitere Sportangebote konkurrieren um Zuschauer, Sponsoren und Aufmerksamkeit. Und mittendrin versuchen die Stuttgart Rebels, Eishockey dauerhaft in der dritthöchsten deutschen Spielklasse zu etablieren.

Eishockey mit vielen Neuanfängen

Die Wurzeln reichen bis 1971 zurück, als der EHC Stuttgart gegründet wurde. Schon innerhalb weniger Jahre gelang damals der Aufstieg in die zweitklassige Oberliga. 1987 schaffte Stuttgart schließlich sogar den Sprung in die 2. Bundesliga und hielt sich dort vier Jahre. Finanzielle Probleme führten 1991 zum Konkurs. Es folgten neue Vereine, neue Namen und weitere Versuche. Unter dem Namen Stuttgart Wizards gelang 2002 erneut der Aufstieg in die Oberliga, doch auch dieses Projekt endete 2006 mit einer Insolvenz. Im selben Jahr begann der nächste Neustart – diesmal als Stuttgart Rebels.

Der bewusste lange Weg zurück

Nach einer Kooperation mit Bietigheim gingen die Rebels ab 2009 wieder mit einem eigenen Team in der Regionalliga an den Start. Der sportliche Erfolg kam schnell: 2010 und 2011 wurde Stuttgart Regionalliga-Meister. Aber erst 2023, mehr als ein Jahrzehnt später kam der nächste Anlauf für den Aufstieg. Damit kehrte drittklassiges Eishockey nach 17 Jahren nach Stuttgart zurück. 2026/27 gehen die Rebels nun bereits in ihre vierte Oberliga-Saison in Folge.

Noch immer ein Aufbauprojekt

Sportlich war der Einstieg erwartungsgemäß schwierig. Stuttgart landete in den ersten Jahren im hinteren Tabellenbereich, konnte den Abstand zur Konkurrenz aber schrittweise verkleinern. Gleichzeitig wurden auch die Strukturen professionalisiert. Der Oberliga-Spielbetrieb wurde in eine eigene GmbH ausgegliedert, während der Verein unter dem Namen Young Rebels die Nachwuchsarbeit weiterführt. Beide Organisationen arbeiten eng zusammen; Spieler der ersten Mannschaft sind beispielsweise regelmäßig als Gasttrainer im Nachwuchs aktiv.  Damit versucht Stuttgart genau das aufzubauen, was in einer Großstadt besonders schwierig ist: eine nachhaltige Eishockeystruktur mit einer klaren Verbindung zwischen Nachwuchs und erster Mannschaft.

Eiswelt Stuttgart – Eishockey unter dem Fernsehturm

Die Heimstätte liegt auf der Waldau in Degerloch, unmittelbar unterhalb des Stuttgarter Fernsehturms. Die Eiswelt besitzt zwei Eisflächen; die Oberliga-Spiele finden in der Haupthalle statt. Allein die Lage macht diesen Auswärtstermin besonders. Während viele Oberliga-Hallen irgendwo am Stadtrand oder in kleinen Gemeinden stehen, wartet hier nur wenige Minuten entfernt eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands.

Schon gewusst?

Stuttgart spielte bereits in den 1980er-Jahren in der zweithöchsten deutschen Liga. Danach scheiterten gleich mehrere Anläufe für dauerhaftes höherklassiges Eishockey an wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dass die Rebels 2010 und 2011 trotz zweier Regionalliga-Meisterschaften bewusst auf den nächsten Schritt verzichteten, bekommt vor diesem Hintergrund eine ganz andere Bedeutung. Man wollte dieses Mal nicht einfach möglichst schnell nach oben – sondern möglichst lange dort bleiben.

Wenn ihr schon dort seid …

Beim Rahmenprogramm haben Tigers-Fans hier vermutlich die größte Auswahl der gesamten Liga. Automobilfans können zwischen Mercedes-Benz Museum und Porsche Museum wählen. Dazu kommen Schlossplatz, Königstraße, Wilhelma und zahlreiche weitere Möglichkeiten. Und weil die Eiswelt praktisch daneben liegt, ist der Fernsehturm vor dem Spiel fast Pflicht.

Unser Tipp: Stuttgart nicht einfach nur als Eishockeyfahrt planen. Früh losfahren, ein paar Stunden in der Stadt verbringen – und den Tag anschließend bei den Rebels auf der Waldau abschließen.

Mit diesen Vereinen endet unsere Reise durch die 13 neuen Gegner der HC Tigers. Nach vier Teilen lässt sich jedenfalls eines bereits sagen: Langweilig dürfte unsere erste Oberliga-Saison ganz sicher nicht werden.

 

Falls ihr euch die restlichen Gegner noch einmal zu Gemüte führen wollt, verlinken wir euch hier die anderen Teile:

Oberliga Teil 1
Oberliga Teil 2
Oberliga Teil 3

von Mario Kleber, veröffentlicht am 13.09.2026