
31.07.2026
Oberliga Teil 1: Vom Bodensee bis ins Allgäu
Mit dem Wechsel in die Oberliga Süd betreten die HC Tigers sportlich Neuland. Für unsere Mannschaft – aber auch für viele unserer Fans – warten in der kommenden Saison zahlreiche neue Gegner und bisher unbekannte Auswärtsziele. Grund genug, die 13 Konkurrenten in den kommenden Wochen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei soll es nicht nur um das Geschehen auf dem Eis gehen. Wir stellen euch die Vereine, ihre Geschichte, ihre Stadien und Fans vor – und schauen auch darauf, was die jeweiligen Städte abseits des Eishockeys zu bieten haben.
Zum Auftakt bleiben wir ganz in unserer Nähe: Mit Lindau, Füssen und Kaufbeuren geht es dreimal ins Allgäu beziehungsweise an den Bodensee.
EV Lindau Islanders – das neue Bodensee-Derby
Kaum ein Oberliga-Gegner liegt für die Tigers so nahe wie Lindau. Die kurze Distanz macht aus den Duellen mit den Islanders automatisch ein Derby – und dürfte dafür sorgen, dass sich bei allen vier Saisonbegegnungen zahlreiche Fans auf den Weg über die Grenze machen.
Der EV Lindau ist gleichzeitig der jüngste der drei Clubs in diesem Teil unserer Serie. Gegründet wurde der Verein am 13. Dezember 1976. Nach Jahren zwischen den bayerischen und baden-württembergischen Spielklassen gelang 2009 die Meisterschaft in der Landesliga West, 2015 folgte der Titel in der Bayernliga. 2016 schafften die Islanders schließlich den Sprung in die Oberliga Süd.
Seither gehören sie ohne Unterbrechung der dritthöchsten deutschen Spielklasse an. In der Saison 2026/27 gehen die Islanders bereits in ihr elftes Oberliga-Jahr in Folge und gehören damit gemeinsam mit dem EC Peiting zu den am längsten ununterbrochen vertretenen Clubs der Staffel.
Der größte Erfolg gerade erst erreicht
Sportlich zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre klar nach oben. 2019 gelang erstmals die Qualifikation für die Oberliga-Playoffs, 2021 folgte die nächste Teilnahme. In der Saison 2024/25 erreichten die Islanders über die Pre-Playoffs das Achtelfinale und verlangten dort den Hannover Scorpions einiges ab.
2025/26 ging es noch einen Schritt weiter: Lindau beendete die Hauptrunde auf Rang fünf und qualifizierte sich erstmals in der Vereinsgeschichte direkt für die Playoffs – nach eigener Einschätzung der größte sportliche Erfolg der bisherigen 50-jährigen Clubgeschichte. Damit treffen die Tigers keineswegs nur auf den geografisch nächsten Gegner, sondern auf einen Club, der sich in der Oberliga mittlerweile etabliert hat.
Die Arena
Die Islanders spielen in der Lindauer Eissportarena, direkt am Bodensee. Das ursprünglich offene Eisstadion wurde 2010 überdacht. Die Halle gehört nicht zu den großen Arenen der Liga – besitzt dafür aber den Charme eines klassischen Eishockeystandorts. Gerade bei gut gefüllten Rängen dürfen sich die Tigers auf eine entsprechend intensive Atmosphäre einstellen.
Schon gewusst?
Das erste offizielle Spiel in der Vereinsgeschichte des EV Lindau fand 1977 ausgerechnet gegen die Damenmannschaft des EV Füssen statt. Vor rund 600 Zuschauern gewann Lindau mit 7:2. Und noch eine Besonderheit wartet in unserer ersten Oberliga-Saison: Am 13. Dezember 2026, exakt am 50. Geburtstag des EV Lindau, treffen Islanders und Tigers in Lindau aufeinander. Das Jubiläumsspiel wird damit gleichzeitig zum Bodensee-Derby.
Wenn ihr schon dort seid …
Lindau dürfte für viele Tigers-Fans ohnehin vertrautes Terrain sein. Trotzdem lohnt es sich, bei einem Auswärtsspiel etwas früher anzureisen. Die historische Insel mit Altstadt, Hafen und dem berühmten Bayerischen Löwen bietet sich gerade für einen Spaziergang vor dem Spiel an. Vom Neuen Leuchtturm reicht der Blick über den Bodensee bis zu den Alpen.
Unser Tipp: Erst ein paar Stunden auf der Insel verbringen und anschließend weiter zum Eishockey. Eine bequemere Oberliga-Auswärtsfahrt werden wir nicht bekommen.
EV Füssen – 16-mal Deutscher Meister
Wenn man über deutsche Eishockeygeschichte spricht, führt am Namen EV Füssen kein Weg vorbei. Der Verein gehört zu den erfolgreichsten Clubs, die das deutsche Eishockey je hervorgebracht hat. 16 deutsche Meisterschaften stehen in der Geschichte des EVF – mehr Titel holte nur der historische Berliner Schlittschuhclub.
Vor allem die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von Füssen geprägt. Über lange Zeit war der Club das Maß aller Dinge im deutschen Eishockey und lieferte gleichzeitig einen enormen Anteil der deutschen Nationalspieler. Bis heute ist die Stadt eng mit dem Sport verbunden. 2022 feierte das Füssener Eishockey bereits sein 100-jähriges Bestehen.
Vom Rekordmeister zum Neustart
Die große Ära endete allmählich in den 1970er-Jahren. 1983 stieg Füssen aus der Bundesliga ab. Es folgten Jahrzehnte mit wechselnden sportlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. 2015 kam schließlich der tiefste Einschnitt: Nach finanziellen Problemen musste die erste Mannschaft zurückgezogen werden. Der traditionsreiche Club begann ganz unten neu.
Was folgte, ist eine bemerkenswerte Aufstiegsgeschichte. 2016 gelang der Sprung aus der Bezirksliga, 2017 der nächste Aufstieg und 2019 schließlich als Bayerischer Meister die Rückkehr in die Oberliga Süd. Seitdem spielt Füssen wieder durchgehend in der dritthöchsten deutschen Spielklasse.
Die jüngste Saison
2025/26 beendete der EV Füssen die Hauptrunde auf Rang neun und qualifizierte sich damit für die Pre-Playoffs. Dort musste sich der EVF dem Höchstadter EC erst im entscheidenden dritten Spiel geschlagen geben. Schon in den Jahren zuvor zeigte sich, dass der Traditionsclub trotz vergleichsweise begrenzter Mittel ein attraktiver Oberliga-Standort geblieben ist. In der Saison 2024/25 kamen im Schnitt 1.161 Zuschauer zu den Hauptrundenspielen.
Ein besonderer Eishockeystandort
Die Heimspiele werden am Bundesstützpunkt für Eishockey und Curling ausgetragen. Das Areal am Kobelhang ist weit mehr als nur die Heimstätte des EV Füssen. Der Standort spielte über Jahrzehnte eine zentrale Rolle für die Entwicklung des deutschen Eishockeys. Mitte der 1970er-Jahre entstand hier einer der ersten Bundesleistungsstützpunkte des deutschen Sports. Damit betreten die Tigers bei ihrem ersten Meisterschaftsspiel in Füssen einen Ort, an dem unzählige deutsche Nationalspieler trainiert und gespielt haben.
Schon gewusst?
Füssen und Kaufbeuren verbindet eine jahrzehntelange Rivalität. In den 1960er-Jahren dominierte Füssen das deutsche Eishockey derart, dass ein Kaufbeurer Sieg gegen den großen Allgäuer Nachbarn als regelrechtes Ereignis gefeiert wurde. 1966 gelang dem ESVK erstmals ein Sieg gegen Füssen – die Freude war so groß, dass Feuerwerkskörper gezündet wurden und Zuschauer Sitzkissen aufs Eis warfen.
Wenn ihr schon dort seid …
Füssen gehört zweifellos zu den attraktivsten Auswärtszielen der Liga. Die historische Altstadt, das Hohe Schloss und der Lech liegen praktisch vor der Haustüre. Und nur wenige Kilometer entfernt befinden sich mit Neuschwanstein und Hohenschwangau zwei der bekanntesten Schlösser Europas.
Unser Tipp: Gerade bei einem Sonntagsspiel lohnt sich die frühe Anreise. Füssen ist einer jener Standorte, bei denen aus einem Eishockeyspiel problemlos ein kompletter Tagesausflug werden kann.
ESV Kaufbeuren – Bundesliga-Tradition und eine der heißesten Fanbasen
Der dritte Gegner unseres ersten Teils ist gleichzeitig der prominenteste Neuzugang der Oberliga Süd. Der ESV Kaufbeuren wurde 1946 gegründet und hat einen Großteil seiner Geschichte in den beiden höchsten deutschen Spielklassen verbracht. Bereits 1959 gelang erstmals der Aufstieg in die neu gegründete Bundesliga. Nach einem kurzen Abstieg wurde Kaufbeuren 1961 Deutscher Oberliga-Meister und kehrte sofort ins Oberhaus zurück.
In den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren gehörte der ESVK immer wieder zur deutschen Eishockey-Elite. Die sportlich erfolgreichsten Bundesliga-Spielzeiten führten Kaufbeuren unter anderem mehrfach bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Besonders 1984 und 1985 schrieb der Verein Geschichte, als der ESVK zweimal in Folge unter die besten vier Teams Deutschlands einzog.
Eishockeyverrücktes Kaufbeuren
Wie tief der Sport in der Stadt verwurzelt ist, zeigt vielleicht am besten die Saison 1986/87. Damals kamen im Schnitt 5.260 pro Spiel. Für das Spitzenspiel gegen Mannheim lagen rund 15.000 Kartenanfragen vor. Der Verein beschreibt, dass sich teilweise 7.000 bis 8.000 Menschen in der damaligen Halle am Berliner Platz drängten, während weitere Fans vor verschlossenen Türen blieben.
Kaufbeuren wurde damals zu einer Pilgerstätte des süddeutschen Eishockeys. Diese Begeisterung ist auch Jahrzehnte später noch spürbar. Der ESVK war 2013 Gründungsmitglied der DEL2 und erreichte dort unter anderem 2017/18, 2018/19 und 2023/24 das Playoff-Halbfinale. Nach vielen Jahren in der zweithöchsten Spielklasse musste der Club 2026 den sportlichen Abstieg hinnehmen und startet nun gemeinsam mit den Tigers in der Oberliga Süd.
Moderne Arena mit großer Atmosphäre
Seit Oktober 2017 spielt der ESV Kaufbeuren in der heutigen energie schwaben arena. Sie bietet rund 3.100 Zuschauern Platz und ersetzte die legendäre Eishalle am Berliner Platz. Die Fans gelten seit Jahrzehnten als besonders lautstark und reisefreudig. Ein eindrucksvolles Beispiel: Im Januar 2023 begleiteten rund 1.200 Kaufbeurer Fans ihre Mannschaft zu einem Auswärtsspiel nach Regensburg. Wir dürfen uns also ziemlich sicher darauf einstellen, dass auch in Dornbirn einiges in Rot und Gelb zu sehen sein wird.
Schon gewusst?
Ein Teil deutscher Eishockeygeschichte wurde ebenfalls in Kaufbeuren geschrieben: Im März 1987 besiegte die deutsche Nationalmannschaft hier erstmals überhaupt die damals übermächtige Sowjetunion – mit 5:2. Und auch Österreich spielt in der Kaufbeurer Geschichte eine kleine Rolle: Das 1958 eröffnete Kunsteisstadion wurde mit einem Freundschaftsspiel gegen den EV Innsbruck eingeweiht. Kaufbeuren gewann 6:3.
Wenn ihr schon dort seid …
Die Arena liegt sehr günstig am Rand der Kaufbeurer Innenstadt. Damit lässt sich ein Auswärtsspiel problemlos mit einem Spaziergang durch die historische Altstadt verbinden. Zu den Wahrzeichen gehören die noch teilweise erhaltene Stadtmauer und der Fünfknopfturm, der über der Altstadt thront. Dazu kommen die Kaiser-Max-Straße und zahlreiche historische Gebäude.
Unser Tipp: Auto abstellen, Innenstadt anschauen, etwas essen und anschließend zu Fuß in die Arena – bei kaum einem Auswärtsziel
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